यम
1 · Yama
Der Umgang mit der Welt
Wörtlich
Zügelung
Gemeint ist
Fünf Grundhaltungen gegenüber anderen: Nicht-Verletzen (ahiṁsā), Wahrhaftigkeit (satya), Nicht-Stehlen (asteya), Maß (brahmacarya) und Nicht-Anhäufen (aparigraha).
Wiki · Yoga-Wissen
Verbinden, sammeln, still werden
Yoga (yoga · योग) ist ein Sanskrit-Wort und bedeutet „Verbindung“, „Anjochen“, „Sammlung“. Es bezeichnet einen jahrtausendealten Übungsweg aus Indien, der Körper, Atem und Geist zusammenführt. Auf dieser Seite liest du, woher das Wort kommt, warum wir „der Yoga“ sagen, wie sich der Weg über die Jahrhunderte gewandelt hat und welche Rolle Frauen in seiner Geschichte spielen.
Die Bedeutung
Das Sanskrit-Wort Yoga (योग) geht auf die Verbalwurzel yuj zurück: „anjochen, anschirren, verbinden“. Dieselbe indogermanische Wurzel steckt im deutschen Joch, im lateinischen iugum und im englischen yoke. Im Rigveda, dem ältesten Text Indiens, meint yoga noch ganz handfest das Anschirren der Pferde vor den Wagen.
Aus dem Bild wird eine Übung: Wer die Sinne anschirrt wie Pferde, gewinnt Herrschaft über den eigenen Geist. Die Katha-Upanishad vergleicht den Körper mit einem Wagen, die Sinne mit den Pferden und den Verstand mit dem Wagenlenker. Patanjali fasst es im zweiten Satz seines Yoga-Sutra zusammen: yogaś citta-vṛtti-nirodhaḥ, „Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen der Bewegungen des Geistes“.
Die Bhagavad Gita ergänzt zwei Bedeutungen, die bis heute tragen: „Gleichmut heißt Yoga“ (samatvaṁ yoga ucyate, 2.48) und „Yoga ist Geschick im Handeln“ (yogaḥ karmasu kauśalam, 2.50). Der Körper rückt erst spät in die Mitte, im Hatha Yoga des Mittelalters. Dass Yoga heute vor allem mit Körperhaltungen verbunden wird, ist die jüngste Schicht einer langen Bedeutungsgeschichte.
Die Sprache
Im Sanskrit ist yoga ein Maskulinum: yogaḥ, ein Substantiv auf -a wie dharma oder deva. Als das Wort im 19. Jahrhundert über die Indologie ins Deutsche kam, nahm es sein grammatisches Geschlecht mit. Deshalb heißt es der Yoga, und ebenso der Hatha Yoga, der Raja Yoga.
Der Duden verzeichnet heute „Yoga, der oder das“, mit dem Maskulinum an erster Stelle. Das Neutrum ist im Deutschen entstanden: Fremdwörter, deren Geschlecht nicht bekannt ist, bekommen häufig den sächlichen Artikel, und bei Yoga klingt außerdem das verwandte Joch mit. In Österreich und in der Schweiz ist das Yoga die übliche Form. Falsch ist keine der beiden. Wir sagen der Yoga, weil es dem Ursprung des Wortes entspricht und in der deutschsprachigen Yoga-Literatur die gebräuchliche Form ist.
Ganz konsequent ist der allgemeine Sprachgebrauch dabei nicht. Prāṇa und mantra sind im Sanskrit ebenfalls maskulin, eingebürgert haben sich im Deutschen trotzdem das Prana und das Mantra. Wir gehen den Weg zu Ende und richten uns bei allen Sanskrit-Begriffen nach dem ursprünglichen Geschlecht: der Prana, der Mantra, das Asana, die Mudra. Die vollständige Übersicht findest du im Artikel Sanskrit-Begriffe. Und die Yoga gibt es nicht: Yogini heißt die Übende, Yogi der Übende.
Die Herkunft
Yoga ist kein einzelnes System, sondern ein Strom, der über rund drei Jahrtausende immer neue Formen angenommen hat. Die wichtigsten Stationen:
ca. 1500 bis 1000 v. Chr.
Das Wort yoga bezeichnet das Anschirren von Pferden. Askese (tapas) und Versenkung sind bekannt, ein Yoga-System gibt es noch nicht.
ca. 800 bis 300 v. Chr.
Die Katha-Upanishad nennt yoga erstmals als Disziplin, die Sinne und Geist bändigt. Die Shvetashvatara-Upanishad beschreibt bereits Sitzhaltung und Atemkontrolle. Zu den Upanishaden →
ca. 400 v. bis 200 n. Chr.
Die Gita entfaltet Yoga als Lebenshaltung: Handeln ohne Anhaften, Erkenntnis, Hingabe. Parallel entwickeln Buddhismus und Jainismus eigene Meditationswege.
ca. 2. bis 4. Jh. n. Chr.
195 Lehrsätze ordnen das vorhandene Wissen: die acht Glieder, die Hindernisse, das Ziel. Yoga wird zu einem der sechs klassischen philosophischen Systeme Indiens. Zu den acht Gliedern →
ca. 9. bis 15. Jh.
1893
Auf dem Weltparlament der Religionen stellt Swami Vivekananda Yoga als Philosophie vor. Sein Buch „Raja Yoga“ (1896) prägt das westliche Bild: Meditation, kaum Körperübungen.
1920er bis 1940er
Krishnamacharya unterrichtet in Mysore, Kuvalayananda erforscht Yoga in Lonavla wissenschaftlich, Swami Sivananda gründet 1936 in Rishikesh die Divine Life Society. Aus Asana, Atem und Entspannung wird die Praxis, die wir heute kennen.
1960er bis heute
Schüler der indischen Lehrer eröffnen Zentren in Europa und Amerika; Yoga wird Breitenpraxis, Gesundheitsangebot und Milliardenmarkt. 2014 erklären die Vereinten Nationen den 21. Juni zum Internationalen Yogatag, 2016 nimmt die UNESCO Yoga in die Liste des immateriellen Kulturerbes auf.
Der achtgliedrige Weg
Patanjali beschreibt im Yoga-Sutra acht Glieder (aṣṭāṅga): keine Stufenleiter, die man nacheinander absolviert, sondern Aspekte eines Weges, die einander stützen. Die ersten vier wenden sich nach außen und zum Körper, die letzten vier nach innen.
यम
Der Umgang mit der Welt
Wörtlich
Zügelung
Gemeint ist
Fünf Grundhaltungen gegenüber anderen: Nicht-Verletzen (ahiṁsā), Wahrhaftigkeit (satya), Nicht-Stehlen (asteya), Maß (brahmacarya) und Nicht-Anhäufen (aparigraha).
नियम
Der Umgang mit sich selbst
Wörtlich
Regel, Verpflichtung
Gemeint ist
Fünf Haltungen sich selbst gegenüber: Reinheit, Zufriedenheit, Disziplin, Selbststudium und Hingabe.
आसन
Der Sitz
Wörtlich
Sitz, Sitzen
Gemeint ist
Bei Patanjali die Meditationshaltung: „fest und angenehm“ (sthira-sukham āsanam). Die Vielfalt der Körperhaltungen kommt erst mit dem Hatha Yoga.
प्राणायाम
Der Atem
Wörtlich
Ausdehnung des Prana
Gemeint ist
Den Atem beobachten, führen und weiten, bis er ruhig und fein wird. Zum Artikel →
प्रत्याहार
Das Zurückziehen der Sinne
Wörtlich
Zurückziehen, Einziehen
Gemeint ist
Die Aufmerksamkeit löst sich von äußeren Reizen und wendet sich nach innen.
धारणा
Die Sammlung
Wörtlich
Halten, Festhalten
Gemeint ist
Der Geist bleibt bei einem Gegenstand: dem Atem, einem Mantra, einem inneren Bild.
ध्यान
Die Versenkung
Wörtlich
Meditation, Betrachtung
Gemeint ist
Aus der Sammlung wird ein ununterbrochener Strom der Aufmerksamkeit.
समाधि
Das Einswerden
Wörtlich
Zusammenlegen, Vereinigung
Gemeint ist
Die Trennung von Beobachter und Beobachtetem fällt weg. Das Ziel des Weges bei Patanjali.
Fünf Wege
Die indische Tradition kennt mehrere Wege zum selben Ziel. Die Bhagavad Gita spricht von Erkenntnis, Handeln und Hingabe; Swami Vivekananda fasste daraus im 19. Jahrhundert die vier klassischen Yogawege. Swami Sivananda verband sie später mit dem Hatha Yoga zu einer „Synthese des Yoga“.
राजयोग
Der königliche Weg
Der Weg der Meditation und Geistesschulung, wie ihn Patanjalis achtgliedriger Pfad beschreibt.
ज्ञानयोग
Der Weg der Erkenntnis
Unterscheiden, was vergänglich ist und was bleibt: Studium, Nachdenken und Selbsterforschung, wie sie die Upanishaden lehren.
भक्तियोग
Der Weg der Hingabe
Liebe zum Göttlichen in Gebet, Ritual und Gesang. Mantren und Kirtans gehören hierher.
कर्मयोग
Der Weg des Handelns
Tun, was zu tun ist, ohne an den Früchten zu hängen. Die Gita nennt es Geschick im Handeln.
हठयोग
Der Weg über den Körper
Asana, Pranayama, Bandhas und Mudras bereiten Körper und Atem für die Stille vor. Der Ursprung fast aller Yogastile, die heute im Westen geübt werden.
Die andere Hälfte der Geschichte
Die Geschichte des Yoga, wie sie meist erzählt wird, ist eine Geschichte von Männern: Rishis, Asketen, Gurus. Das liegt an den Quellen. Fast alle erhaltenen Texte wurden von Männern verfasst und richten sich an männliche Übende. Die Hatha Yoga Pradipika spricht durchgehend den Yogi an und erwähnt Frauen fast nur als Gefahr für seine Askese oder als Partnerin in tantrischen Praktiken. Was Frauen in denselben Jahrhunderten übten und lehrten, wurde selten aufgeschrieben.
Dennoch sind Frauen von Anfang an da. Der Rigveda überliefert Hymnen, die Seherinnen (ṛṣikā) zugeschrieben werden, etwa Lopamudra, Ghosha und Vak Ambhrini. Die Brihadaranyaka-Upanishad lässt Gargi Vachaknavi den Weisen Yajnavalkya in einer öffentlichen Debatte herausfordern und Maitreyi mit ihm über die Unsterblichkeit des Selbst sprechen. Im tantrischen Yoga des 9. bis 12. Jahrhunderts gelten Yoginis als Trägerinnen von Kraft; ihnen sind eigene Tempel gewidmet, etwa in Hirapur in Odisha. In der Bhakti-Bewegung finden Dichterinnen wie Akka Mahadevi, Lalla und Mirabai eine Sprache für den Weg der Hingabe, die bis heute gesungen wird.
Zugleich blieb Frauen der Zugang zu vedischer Bildung über lange Zeit verwehrt. Die Manusmriti, ein Rechtstext aus der Zeit um die Zeitenwende, schreibt ihnen Abhängigkeit vom Ehemann vor und schließt sie von der Rezitation der Veden aus. Es ist kein Zufall, dass die Frauen, deren Namen wir kennen, meist außerhalb der Orthodoxie stehen: in der Debatte, im Tantra, in der Bhakti-Dichtung.
Im 20. Jahrhundert wendet sich das Blatt. Sita Devi Yogendra veröffentlicht bereits in den 1930er-Jahren ein Yogabuch für Frauen. Krishnamacharya, der Lehrer von B.K.S. Iyengar und Pattabhi Jois, nimmt in Mysore mit Indra Devi erstmals eine Frau aus dem Westen als Schülerin an; sie eröffnet 1947 in Hollywood ein Studio und macht Yoga für Frauen populär. Geeta Iyengar prägt mit „Yoga: A Gem for Women“ (1983) die Frauenperspektive im Iyengar-Yoga. In Deutschland war Yoga lange fast ausschließlich eine Praxis von Frauen: 2014 übten nach der Erhebung des Berufsverbands der Yogalehrenden (BDY) sechs Prozent der Frauen und ein Prozent der Männer, 2018 neun Prozent der Frauen und weiterhin ein Prozent der Männer. Seitdem holen die Männer auf: 2023 praktizierten 22 Prozent der Frauen und 17 Prozent der Männer Yoga. Unter den Lehrenden sind Frauen nach wie vor deutlich in der Mehrheit. Zur Grafik →
Die Zahlen zeigen die Verschiebung, aber auch das Ungleichgewicht, das bleibt. Die Namen der großen Linien sind Männernamen, und in mehreren dieser Linien wurden in den vergangenen Jahrzehnten Machtmissbrauch und Übergriffe auf Schülerinnen bekannt. Wer Yoga heute unterrichtet, lehrt in einer Tradition, deren Texte Frauen kaum mitgedacht haben, und in einer Gegenwart, in der Frauen sie bis heute überwiegend tragen und lehren. Beides gehört zur Geschichte des Yoga. Auch deshalb haben wir unseren Umgang miteinander in einem Ethik-Codex festgehalten.
Sechs Frauen, sechs Jahrhunderte
ca. 8. bis 7. Jh. v. Chr. · Videha
Die Philosophin
Fordert in der Brihadaranyaka-Upanishad den Weisen Yajnavalkya am Hof des Königs Janaka vor versammelter Gelehrtenschaft heraus. Eine der wenigen Frauen, die die Upanishaden mit Namen und eigener Stimme überliefern.
ca. 8. bis 7. Jh. v. Chr. · Videha
Die Fragende
Fragt ihren Mann Yajnavalkya, ob Besitz unsterblich macht, und erhält die Lehre vom Selbst (Atman): einer der berühmtesten Dialoge der Upanishaden, in dem eine Frau die entscheidende Frage stellt.
ca. 1320 bis 1392 · Kaschmir
Die Mystikerin
Wanderasketin und Dichterin des Shaiva-Yoga. Ihre Verse (vākh) sprechen von Atem, Om und dem Körper als Tempel; sie werden in Kaschmir bis heute gesungen, von Hindus wie Muslimen.
ca. 1498 bis 1546 · Rajasthan
Die Bhakti-Dichterin
Fürstentochter, die Hof und Konventionen verließ, um Krishna zu besingen. Ihre Bhajans gehören zum Kern der Bhakti-Tradition und werden bis heute im Kirtan gesungen.
1899 bis 2002 · Riga, Mysore, Hollywood
Die Brückenbauerin
Als Eugenie Peterson in Riga geboren. Krishnamacharya nimmt sie in Mysore als erste westliche Frau an. 1947 eröffnet sie in Hollywood ein Studio; ihre Bücher machen Yoga in Amerika und später in Lateinamerika bekannt.
1944 bis 2018 · Pune
Die Lehrerin
Tochter B.K.S. Iyengars. Ihr Buch „Yoga: A Gem for Women“ (1983) nimmt erstmals systematisch Menstruation, Schwangerschaft und Wechseljahre in die Yogapraxis auf.
Die Gegenwart
Was im Westen als Yoga gilt, ist jung. Vivekananda brachte 1893 die Philosophie; die Körperpraxis kam erst in den 1920er- bis 1940er-Jahren aus Mysore, Lonavla und Rishikesh und wurde von Schülern wie Indra Devi, B.K.S. Iyengar, Pattabhi Jois und Swami Vishnudevananda seit den 1950er-Jahren in Europa und Amerika verbreitet. In Deutschland entstanden ab den 1950er-Jahren die ersten Yogaschulen, 1967 gründete sich der Berufsverband der Yogalehrenden (BDY).
Heute ist Yoga hier vor allem eine Praxis aus Körperhaltungen, Atmung und Entspannung, eingebettet in Gesundheitsvorsorge, Sport und Wellness. Nach den BDY-Erhebungen übten 2014 drei Prozent der Deutschen Yoga, 2018 fünf Prozent und 2023 zwanzig Prozent; der stärkste Zuwachs kam von jungen Erwachsenen und von Männern. Eine zweite GfK-Befragung für Yoga Vidya zählt 2023 mit engerer Definition 13 Prozent, rund elf Millionen Menschen. Krankenkassen bezuschussen Präventionskurse, Kliniken setzen Yoga begleitend ein.
Kritisch bleibt, was auf dem Weg verloren geht: Aus einem Übungsweg zur Stille wurde vielerorts ein Fitnessprodukt, und die indische Herkunft wird oft zur Kulisse. Zugleich üben mehr Menschen Yoga als je zuvor und finden darüber zu Atem, Meditation und den alten Texten zurück. Beides ist die Gegenwart des Yoga.
Yoga in Zahlen
Anteil der Yoga-Praktizierenden in Deutschland
2014
2018
2023
Quelle: Repräsentative GfK-Befragungen im Auftrag des BDY, Bevölkerung ab 14 Jahren (2014, 2018, 2023). Eine zweite GfK-Erhebung 2023 für Yoga Vidya (18 bis 74 Jahre, engere Definition) kommt auf 13 % gesamt, 16 % der Frauen und 10 % der Männer.
Weltparlament der Religionen 1893 · BDY 1967 · Internationaler Yogatag 21. Juni
Bei uns
Unsere Stunden stehen im ganzheitlichen Hatha Yoga nach Swami Sivananda, mit Elementen aus Yin Yoga und Vinyasa. Von den fünf Wegen ist es die Synthese, die Sivananda gelehrt hat: Asana und Pranayama für den Körper, Entspannung, Meditation und Mantra für den Geist, dazu Wissen, das du in den Alltag mitnehmen kannst.
Yoga ist für uns eine Lebensweise, nicht nur eine Stunde auf der Matte. Was das konkret heißt, liest du auf der Seite zum Vinayaki-Yoga Stil; wann und wo du mitüben kannst, steht im Kursplan.
Verwandte Themen
In unseren Kursen in Lauenburg und Witzeeze üben wir Hatha Yoga in kleinen Gruppen, für Einsteiger wie für Erfahrene.