Konzentration
Die Aufmerksamkeit liegt bei der Bewegung, die gerade ausgeführt wird.
Wiki · Yoga-Wissen
Yoga und Pilates: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Yoga und Pilates können beide bewusste Bewegung, Atem und Konzentration einbeziehen. Ihr Hintergrund ist jedoch verschieden: Pilates ist eine eigenständige Bewegungsmethode des 20. Jahrhunderts. Yoga hat seine Wurzeln in indischen Traditionen und kann weit über Körperübungen hinausgehen.
Kurz erklärt
Pilates ist eine Bewegungsmethode, die Joseph Pilates (1883–1967) in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt hat. Er selbst nannte sie „Contrology“ und meinte damit Bewegung, die bewusst gesteuert und kontrolliert ausgeführt wird.
Geübt wird mit genauer Aufmerksamkeit für Haltung, Koordination und Atem. Die Übungen finden auf der Matte statt, oft mit kleinen Hilfsmitteln, oder an eigens entwickelten Geräten wie dem Reformer, deren Federn Widerstand geben oder die Bewegung unterstützen.
In den weiteren Abschnitten geht es um die Herkunft von Pilates, die Grundgedanken der Methode, die Unterschiede zwischen Yoga und Pilates, das, was beide verbindet, und häufige Missverständnisse.
Joseph Hubertus Pilates wurde 1883 in Mönchengladbach geboren und befasste sich früh mit Turnen, Boxen und anderen Formen der Körperkultur. Bei Beginn des Ersten Weltkriegs lebte er in England; als Deutscher wurde er interniert, unter anderem im Lager Knockaloe auf der Isle of Man, wo er mit Mitgefangenen an seinen Übungen arbeitete. Die oft erzählte Geschichte, er habe dort Federn an Krankenbetten befestigt, geht auf seine eigenen späteren Schilderungen zurück und ist in den erhaltenen Lagerunterlagen nicht belegt. 1926 ging er nach New York und führte dort mit seiner Partnerin Clara bis zu seinem Tod 1967 ein eigenes Studio.
Mit diesen sechs Begriffen wird die Methode heute oft beschrieben. Joseph Pilates selbst hat keine feste Liste von Prinzipien aufgestellt; die Zusammenstellung stammt aus späteren Darstellungen seiner Methode, zuerst aus einem Buch von Philip Friedman und Gail Eisen aus dem Jahr 1980. Manche Schulen nennen andere oder weitere Grundsätze.
Die Aufmerksamkeit liegt bei der Bewegung, die gerade ausgeführt wird.
Jede Bewegung wird bewusst geführt, auch auf dem Rückweg, und nicht dem Schwung überlassen.
Viele Bewegungen gehen von einer stabilen Körpermitte aus, im Pilates oft „Powerhouse“ genannt.
Eine genaue Ausführung zählt mehr als die Zahl der Wiederholungen.
Der Atem ist auf den Bewegungsablauf abgestimmt.
Die Bewegungen gehen gleichmäßig ineinander über; auch Übergänge gehören zur Übung.
Dieser Abschnitt hält drei Ebenen auseinander: die Yoga-Tradition als Ganzes, die Pilates-Methode und die Art, wie beide heute unterrichtet werden. Eine einzelne Kursstunde zeigt jeweils nur einen Ausschnitt.
Yoga ist mehr als ein Bewegungs- oder Entspannungstraining. Je nach Tradition und Kontext gehören Asanas (Körperhaltungen), Pranayama (Atemlenkung), Meditation und Aspekte der Lebensführung dazu. Nicht jede heutige Yogastunde behandelt alle diese Bereiche ausdrücklich.
Ausführlich im Wiki: Was ist Yoga? Bedeutung, Herkunft und Geschichte
Pilates ist eine eigenständige Methode mit einem eigenen Übungsrepertoire, das Joseph Pilates entwickelt hat. Heute wird Pilates klassisch nach seinem Vorbild oder in weiterentwickelten Formen unterrichtet, auf der Matte und an Geräten.
| Yoga | Pilates | |
|---|---|---|
| Herkunft | Wurzeln in indischen Traditionen, überliefert unter anderem in den Upanishaden und im Yogasūtra. Viele heute verbreitete Stile sind im 20. Jahrhundert entstanden. | Von Joseph Pilates in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt, zunächst in Europa, ab 1926 in New York. |
| Ziel und Rahmen | Je nach Tradition ein umfassender Übungsweg, der auf Sammlung des Geistes und Erkenntnis zielt. Körperübungen sind ein Teil davon, eingebettet in Philosophie und Lebensführung. | Eine Methode für den ganzen Körper, die Haltung, Kraft, Beweglichkeit und Koordination schulen soll. Konzentration gehört dazu; an eine religiöse Tradition ist sie nicht gebunden. |
| Bewegungspraxis | Asanas werden gehalten oder im Fluss verbunden. Je nach Stil ist die Praxis ruhig und langsam oder kraftvoll und körperlich fordernd. | Ein festes Übungsrepertoire mit wenigen, genau geführten Wiederholungen. Es verbindet Kraft mit Mobilität, Dehnung und Koordination. |
| Rolle des Atems | Der Atem begleitet die Asanas. Im Pranayama wird er selbst zur Übung, oft auch zur Vorbereitung auf die Meditation. | Der Atem wird auf jede Bewegung abgestimmt und soll die Stabilität des Rumpfes unterstützen. Viele Schulen lehren eine Atmung in die Flanken des Brustkorbs. |
| Matte und Geräte | Meist auf der Matte, bei Bedarf mit Block, Gurt, Kissen oder Decke. | Auf der Matte, oft mit Kleingeräten wie Ring oder Ball, oder an Federgeräten wie Reformer, Cadillac und Chair. |
Die Tabelle beschreibt Grundzüge. Wie eine einzelne Stunde aussieht, hängt von Stil, Schule und Lehrperson ab. Mehr über Herkunft und Bedeutung des Yoga: Was ist Yoga? Bedeutung, Herkunft und Geschichte
Yoga und Pilates können bewusste Bewegung mit Aufmerksamkeit für den eigenen Körper und mit dem Atem verbinden. Manche Übungen ähneln sich auch in der äußeren Form. Austauschbar sind die beiden dadurch nicht: Dieselbe Form kann in einem anderen Zusammenhang stehen und einem anderen Zweck dienen.


Der Schwan (Swan) im Pilates und die Kobra (Bhujaṅgāsana) im Yoga können sich äußerlich stark ähneln. In den hier gezeigten, handgestützten Varianten wird der Oberkörper aus der Bauchlage in eine Rückbeuge angehoben: Die Rückenmuskulatur arbeitet aktiv, die Hände stützen, das Becken bleibt am Boden.
Die Armhilfe ist dabei kein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal. In einer kleinen Kobra helfen die Hände nur wenig, in einer höheren stützen sie stärker und die Arme sind weiter gestreckt. Auch beim Schwan kann die Aufrichtung zunächst aus der Rückenmuskulatur kommen, bevor die Hände eine höhere Position unterstützen.
Deutlicher wird der Unterschied im Ablauf: Der Schwan wird häufig als kontrolliertes Anheben und Absenken wiederholt, die Kobra oft über mehrere Atemzüge gehalten. Starr ist diese Grenze nicht, denn auch ein vorbereitender Schwan kann gehalten und die Kobra fließend geübt werden.
Einige verbreitete Aussagen über Yoga und Pilates treffen nur zum Teil zu.
Viele Asanas dehnen, andere verlangen Kraft, Gleichgewicht oder Ausdauer. Zudem sind Körperhaltungen nur ein Teil des Yoga: Je nach Tradition gehören auch Atemübungen, Meditation und Fragen der Lebensführung dazu.
Pilates ist keine Abwandlung des Yoga, sondern eine eigenständige Methode mit eigener Geschichte, eigenen Übungen und eigenen Grundgedanken. Auch die geistige Seite fehlt nicht: Joseph Pilates beschrieb seine Contrology als vollständige Koordination von Körper, Geist und Seele.
Beides gibt es in vielen Tempi und Intensitäten. Manche Yogastile sind sehr ruhig, andere kraftvoll und fordernd; Pilates kann sanft und langsam oder sehr anspruchsvoll geübt werden. Wie eine Stunde verläuft, hängt von Stil, Lehrperson und Gruppe ab.
Der Reformer ist das bekannteste Pilates-Gerät, doch Pilates wird ebenso auf der Matte geübt. Schon Joseph Pilates beschrieb in seinem Buch von 1945 eine Folge von 34 Mattenübungen; daneben entwarf er weitere Geräte.

Eine Kursstunde zeigt einen Ausschnitt, häufig Körperhaltungen, Atemübungen und Entspannung. Der Yoga als Tradition umfasst mehr, etwa Philosophie, Ethik und verschiedene Übungswege. Umgekehrt zeigt auch eine einzelne Pilatesstunde nur einen Teil des Repertoires.
In unseren Kursen in Lauenburg und Witzeeze verbinden wir Atemübungen, Asanas, Entspannung und Meditation. Sprich uns an, wenn du Yoga in der Gruppe kennenlernen möchtest.