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Wiki · Yoga-Wissen

Mantra

Ein Klang, der den Geist trägt

Ein Mantra (mantra · मन्त्र) ist eine Silbe, ein Wort oder ein Vers, der wiederholt gesprochen, geflüstert oder gesungen wird. Nicht der Inhalt der Worte steht im Mittelpunkt, sondern die Wirkung der Wiederholung: Der Klang sammelt die Aufmerksamkeit, das Denken kommt zur Ruhe. Auf dieser Seite lernst du Wortbedeutung und Herkunft kennen, vier Arten von Mantren und drei Wege, sie zu üben.

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Die Bedeutung

Ein Werkzeug für den Geist

Das Sanskrit-Wort mantra (मन्त्र) geht auf manas zurück, „Geist“ oder „Denken“. Die Nachsilbe -tra bezeichnet ein Werkzeug; die Tradition hört darin zugleich die Wurzel trai, „schützen“. Ein Mantra ist also ein Werkzeug des Geistes: ein Klang, an dem sich die Aufmerksamkeit festhalten kann und der den Geist trägt.

Anders als ein Gebet zielt ein Mantra weniger auf den Inhalt der Worte als auf die Wirkung der Wiederholung. Wer einen Mantra spricht, singt oder still denkt, gibt dem Geist eine einzige Aufgabe: beim Klang zu bleiben. Gedanken tauchen auf, ziehen vorüber, und die Aufmerksamkeit kehrt zur Silbe zurück. Genau das ist Meditation in ihrer einfachsten Form.

Geübt wird still oder laut, allein oder in der Gruppe, mit oder ohne Melodie, häufig in Reihen von 108 Wiederholungen. Im Yoga begegnet dir der Mantra beim gemeinsamen Singen, in der Meditation und in Bewegung, etwa im Sonnengruß, dessen zwölf Haltungen je einen Mantra tragen. Im Sanskrit ist mantraḥ maskulin, deshalb schreiben wir der Mantra.

Mantra„Werkzeug des Geistes“: eine Silbe, ein Wort oder ein Vers, der wiederholt wird. Mehrzahl: Mantren.
Japa„Murmeln“: die wiederholte Rezitation eines Mantra, laut, geflüstert oder nur in Gedanken.
Mālā„Kranz“: die Gebetskette mit 108 Perlen, die beim Japa die Wiederholungen zählt.
Kirtan„Rühmen“: das gemeinsame Singen von Mantren im Wechsel zwischen Vorsänger und Gruppe. Zu den Abenden →

Die Quelle

Vom Veda bis zum Kirtan

Die ältesten Mantren sind die Verse des Rigveda, entstanden etwa zwischen 1500 und 1000 v. Chr. Aus ihm stammt der Gayatri-Mantra, der bis heute am Morgen zur Sonne gesprochen wird. Die Upanishaden deuten die Silbe Om als Klang des Ganzen, und das Yogasūtra des Patañjali empfiehlt ihre Wiederholung als Weg zur Sammlung (I.27–28). In der Bhakti-Bewegung des Mittelalters wurde aus der Rezitation Gesang: Das Kirtan trug die Gottesnamen aus den Tempeln auf die Straßen, begleitet von Trommeln und Zimbeln, später vom Harmonium.

Rigveda · Upanishaden · Yogasūtra I.27–28 · Bhakti-Bewegung

Formen

Vier Arten von Mantren

Mantren gibt es in großer Zahl, von der einzelnen Silbe bis zum langen Vers. Vier Formen begegnen dir bei uns immer wieder:

Om

Die Ursilbe

Kurz gefasst

Die Silbe am Beginn und Ende fast jeder Rezitation. Ihre Klänge a, u und m stehen für Wachen, Traum und Tiefschlaf, gehalten von der Stille dahinter.

Beispiel

Dreimal Om zu Beginn und am Ende einer Yogastunde

बीज

Bīja-Mantra

Die Keimsilbe

Kurz gefasst

Einzelne Silben ohne wörtliche Bedeutung, deren Wirkung im Klang liegt. Sie werden den Chakren zugeordnet und in der Meditation wiederholt.

Beispiel

laṃ, vaṃ, raṃ, yaṃ, haṃ, oṃ; auch so ham im Rhythmus des Atems

गायत्री

Gāyatrī-Mantra

Der vedische Vers

Kurz gefasst

Ein Vers aus dem Rigveda an Savitṛ, die belebende Kraft der Sonne. Er bittet um Licht für den Geist und wird traditionell bei Sonnenaufgang gesprochen.

Beispiel

oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ, tat savitur vareṇyaṃ … (Rigveda III.62.10)

नाम

Nāma-Mantra

Die Namen des Göttlichen

Kurz gefasst

Mantren, die einen Namen anrufen. Im Kirtan werden sie im Wechselgesang wiederholt, im Sonnengruß begleiten zwölf Namen der Sonne die zwölf Haltungen.

Beispiel

oṃ namaḥ śivāya; oṃ mitrāya namaḥ im Sonnengruß

In der Praxis

Drei Wege, einen Mantra zu üben

Ein Mantra will nicht verstanden, sondern geübt werden. Drei Wege, die du bei uns kennenlernst:

  1. Japa. Wähle einen Mantra und wiederhole ihn 108-mal, die Mala in der Hand. Erst laut, dann geflüstert, dann nur noch in Gedanken. Zehn Minuten am Morgen reichen für den Anfang.
  2. Kirtan. Im Wechselgesang singt eine Person vor, die Gruppe antwortet. Du musst weder die Texte kennen noch „schön“ singen. Mitschwingen genügt, zuhören auch.
  3. Mantra in Bewegung. Im Sonnengruß trägt jede der zwölf Haltungen einen Namen der Sonne. Atem, Bewegung und Klang werden zu einem einzigen Fluss.
Mantra geht auch modernSurya Namaskar in der Dark-Metal-VersionDie zwölf Mantren des Sonnengrußes als Song, zum Anhören auf der Seite zum Sonnengruß.

Om singen wir bei Mantren & Kirtans, die Silbe selbst deuten die Upanishaden, und den Sonnengruß mit seinen zwölf Mantren findest du unter Surya Namaskar.

Om. Ein Klang, der den Geist trägt.

Magst du Mantren singen?

Bei unseren Mantra- und Kirtan-Abenden singen wir gemeinsam, begleitet von Gitarre, Harmonium und Trommeln. Vorkenntnisse und Notenlesen sind nicht nötig.