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Lach-Yoga

Lachen ohne Grund

Lach-Yoga (hāsya yoga · हास्ययोग) verbindet grundloses Lachen mit der Atmung des Yoga. Gelacht wird als Übung, nicht über Witze. Die Grundidee: Der Körper macht kaum einen Unterschied zwischen echtem und gespieltem Lachen, und aus dem gespielten wird in der Gruppe meist echtes. Auf dieser Seite erfährst du, woher Lach-Yoga kommt, wie Lachen auf die Gesundheit wirkt, wie eine Einheit abläuft und wie das Zwei-Finger-Lächeln geht.

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Die Bedeutung

Lachen als Übung

Das Sanskrit-Wort hāsya (हास्य) bedeutet Lachen, Heiterkeit. In der klassischen indischen Kunstlehre ist Hāsya einer der neun Rasas, der Grundstimmungen, die ein Kunstwerk in uns wecken kann. Lach-Yoga macht aus dieser Stimmung eine Übung: Gelacht wird bewusst und ohne Anlass, so wie man eine Asana einnimmt oder den Atem führt.

Der Ansatz stützt sich auf zwei Beobachtungen. Erstens braucht der Körper keinen Witz, um zu lachen; Lachen lässt sich wie jede andere Bewegung einfach ausführen. Zweitens wirkt der Ausdruck auf die Stimmung zurück: Wer lächelt und lacht, fühlt sich nach kurzer Zeit tatsächlich leichter. Die Psychologie nennt das Facial Feedback. In der Gruppe, mit Blickkontakt und kindlicher Verspieltheit, kippt das gespielte Lachen meist von selbst in echtes.

Zum Yoga wird das Lachen durch den Atem. Zwischen den Lachübungen wird tief geatmet, gedehnt und geklatscht. Lachen selbst ist eine kräftige, stoßweise Ausatmung, verwandt mit dem Kapalabhati aus dem Pranayama; danach strömt die Einatmung von selbst tiefer ein. Und mit dem Löwen (Simhāsana) kennt der Hatha Yoga sogar eine eigene Lach-Asana.

HāsyaSanskrit für Lachen und Heiterkeit; einer der neun Rasas der indischen Kunstlehre.
Ohne GrundDas Grundprinzip: Gelacht wird als Übung, nicht über Witze. Aus gespieltem Lachen wird echtes.
SimhāsanaDer Löwe: Zunge heraus, Augen weit, hörbar ausatmen. Die Lach-Asana des Hatha Yoga.

Die Quelle

Von fünf Menschen im Park zu Lachclubs weltweit

Lach-Yoga entwickelte der indische Arzt Madan Kataria im März 1995 in Mumbai. Nach der Lektüre von Studien über die gesundheitliche Wirkung des Lachens traf er sich mit vier Bekannten im Park, um gemeinsam zu lachen. Zunächst erzählte man sich Witze; als die ausgingen, entstand die Idee, das Lachen als reine Übung anzugehen. Seine Frau Madhuri Kataria, Yogalehrerin, ergänzte die Atem- und Dehnübungen des Yoga. Aus dem ersten Lachclub wurde eine Bewegung: Heute gibt es Lachclubs in über hundert Ländern, und seit 1998 wird am ersten Sonntag im Mai der Weltlachtag begangen.

Mumbai · 1995 · Weltlachtag: erster Sonntag im Mai

Die Wirkung

Warum Lachen gesund ist

Ein Lachen, sechs Wirkungen

Lachen ist Bewegung, Atmung und Gefühl zugleich. Was dabei im Körper geschieht, ist gut beschrieben; hier die wichtigsten Wirkungen auf einen Blick.

Atem & Lunge

Die tiefe Ausatmung

Beim Lachen stößt das Zwerchfell die Luft in kurzen Schüben aus der Lunge, ähnlich wie beim Kapalabhati. Danach strömt die Luft tiefer ein als sonst: Restluft wird ausgetauscht, die Atmung vertieft sich, die Atemmuskulatur wird gekräftigt.

Muskeln & Spannung

Anspannen, loslassen

Herzhaftes Lachen beschäftigt Gesicht, Bauch, Zwerchfell, Schultern und Rücken. Auf die Anstrengung folgt eine spürbare Lockerung der Muskulatur, die noch eine Weile nachwirkt. Viele erleben Lachen deshalb wie eine kurze Massage von innen.

Stress & Hormone

Der Gegenspieler des Stresses

Lachen dämpft die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol und Adrenalin und setzt Endorphine frei, die körpereigenen Schmerzstiller. In Studien stieg nach gemeinsamem Lachen die Schmerzschwelle messbar an.

Herz & Kreislauf

Bewegung für die Gefäße

Während des Lachens steigen Puls und Blutdruck kurz an, danach entspannt sich der Kreislauf. Untersuchungen zeigen zudem, dass sich die Innenwände der Blutgefäße beim Lachen weiten, ähnlich wie bei leichtem Ausdauertraining.

Immunsystem

Die Abwehr wird wach

Es gibt Hinweise, dass fröhliches Lachen die Aktivität von Abwehrzellen und die Menge bestimmter Antikörper erhöht. Die Studien dazu sind klein; die Richtung ist aber einheitlich, und Stressabbau stärkt die Abwehr auch auf indirektem Weg.

Stimmung & Gemeinschaft

Leichter, verbundener

Eine Auswertung von Studien aus dem Jahr 2019 fand, dass Lachtherapien Niedergeschlagenheit, Ängstlichkeit und empfundenen Stress verringern; gespieltes Lachen wirkte dabei ebenso wie spontanes. Gemeinsames Lachen schafft Nähe, baut Hemmungen ab und stärkt das Gefühl, dazuzugehören.

Am besten belegt sind die Wirkungen auf Stress, Stimmung und Schmerzempfinden; zu Immunsystem und Kreislauf sind die Studien kleiner und die Ergebnisse uneinheitlicher. Lachen ersetzt keine Behandlung, ergänzt aber vieles.

In der Gruppe

So läuft eine Lach-Yoga-Einheit ab

Eine Einheit dauert 30 bis 60 Minuten und folgt einem einfachen Aufbau. Vorkenntnisse braucht niemand, Humor auch nicht.

Aufwärmen

Im Kreis klatschen und dazu im Rhythmus „Ho ho, ha ha ha“ sprechen, mit Blickkontakt in die Runde. Das Klatschen mit flachen Händen weckt den Körper, der Rhythmus löst die Anspannung.

Atmen

Zwischen den Übungen wird tief geatmet: Arme heben, einatmen, mit einem langen „Haaa“ ausatmen. Der Atem bringt zur Ruhe und macht die nächste Lachrunde leichter.

Verspielt werden

Der Satz „Sehr gut, sehr gut, yeah!“, mit Schwung und ohne Ernst gesprochen, öffnet die Tür zur kindlichen Verspieltheit, aus der Lachen von selbst entsteht.

Lachübungen

Begrüßungslachen mit Namaste, Löwenlachen mit herausgestreckter Zunge, stilles Lachen, Ein-Meter-Lachen: kurze, spielerische Übungen von etwa einer Minute, dazwischen Atem und Klatschen.

Lachmeditation & Ruhe

Zum Schluss wird ohne Übung gelacht, so lange es kommt. Danach folgt eine Entspannung im Liegen oder Sitzen, damit die Ruhe nach dem Lachen nachklingen kann.

Zum Ausprobieren

Das Zwei-Finger-Lächeln

Die kleinste Lachübung braucht keine Gruppe und keine Vorbereitung. Sie nutzt den Rückweg vom Gesicht zur Stimmung: Die Gesichtsmuskeln melden dem Gehirn ein Lächeln, und die Stimmung zieht nach. So geht es:

  1. Setz oder stell dich bequem hin, lass die Schultern sinken und atme einmal tief aus.
  2. Lege beide Zeigefinger an die Mundwinkel und schiebe sie sanft nach oben und leicht nach außen, bis ein Lächeln entsteht. Nur so weit, wie es angenehm ist.
  3. Halte das Lächeln 30 bis 60 Sekunden. Atme dabei ruhig durch die Nase und lass die Augen mitlächeln, bis sich feine Fältchen bilden.
  4. Nimm die Finger weg und lass das Lächeln von selbst stehen. Wenn ein Lachen kommt, lass es zu.
  5. Spüre nach: Wie fühlt sich das Gesicht an, wie die Stimmung? Vor dem Spiegel geübt, endet die Übung oft in echtem Lachen.

Was dahintersteckt: Die Facial-Feedback-Hypothese besagt, dass der Gesichtsausdruck das Gefühl mitprägt. Die Forschung dazu war lange uneinheitlich; eine große internationale Studie mit fast 4.000 Teilnehmenden fand 2022 einen kleinen, aber messbaren Effekt: Wer die Gesichtsmuskeln zu einem Lächeln formte, fühlte sich danach etwas glücklicher.

Magst du mit uns lachen, atmen und singen?

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